Reitclub Halali e.V. München

Gegründet 01. Februar 1929


90-jähriges Jubiläum

RC Halali Geschichte Teil 2, 1990er bis heute


Vortrag von Andreas Schmitz anlässlich der 90-Jahr-Feier des Reitclubs Halali

am 11.Mai 2019 in der Universitäts-Reitschule


Fred - herzlichen Dank für die steile Vorlage: ich werde mich bemühen an Deine eloquenten wie sachkundigen und auch unterhaltsamen Erinnerungen zur Geschichte des Reit-Clubs Halali anzuknüpfen.


Zunächst aber begrüße auch ich alle sehr herzlich - sehr gehrte Frau Stadträtin, liebe Freunde des Halali, liebe Halalier.


Ich habe - im Gegensatz zu Dir, Fred - auf der einen Seite die ungleich leichtere Aufgabe nur über einen kleinen Teil der neunzigjährigen Geschichte unseres Clubs berichten zu dürfen. Auf der anderen Seite fehlen in meinem Zeitraum die weltgeschichtlichen Ereignisse, die großen Zeitenwenden. Da es mich zudem beruflich seit letztem Jahr von München nach Potsdam verschlagen hat, ist mir mein Bericht zur Geschichte unseres Clubs, die für mich auch die Geschichte eines kleinen Abschieds ist, zu einer sehr persönlichen geraten. Ich hoffe das tut der Unterhaltsamkeit keinen Abbruch.


Ich kam 1994 nach München. Als ehemaliger Zeitsoldat und junger Historiker und Politikwissenschaftler fasste ich gerade beruflich Fuß in der Unternehmensberatung Roland Berger hier in München. Ich war dann schließlich für lange Jahre als Information Manager, wie das damals neudeutsch hieß, im Marketing- und Pressebereich tätig.


Mit 16 Jahren hatte ich 1981 angefangen zu reiten. In München ließ mir meine berufliche Tätigkeit zunächst keine Zeit weiterhin meinen reiterlichen Aktivitäten zu frönen. Aber nach einigen Jahren verspürte ich schließlich immer mehr eine schmerzliche Lücke. Einmal vom „Pferde-Virus“ infiziert, mußte ich unbedingt wieder auf den Pferderücken.


1998 begann ich also zu suchen. Ich besaß damals kein Auto - in Schwabing nicht wirklich so wichtig - und suchte also eine Reitmöglichkeit in Münchens Innenstadt oder doch zumindest nicht zu sehr ausserhalb. Der Bayerische Reit- und Fahrverband stellte mir eine zweiseitige Liste der Reitvereine in München und Oberbayern zur Verfügung und ich begann zu telefonieren.


Zwei Telefonate waren es dann schließlich, die mein weiteres reiterliches Schicksal massgeblich bestimmten. Zunächst rief ich bei der Universitätsreitschule an und hatte sofort Siegfried Dehning am Apparat. Mitten am Tag, mitten in der Arbeitszeit nahm er sich für mich über eine Stunde Zeit und erläuterte als Norddeutscher mir, dem Westfalen, die reiterliche Landschaft in Bayern und München, erzählte über die Unireitschule, das Ausreiten im Englischen Garten und die Vereine, die es so in München und Umgebung gab.


Ich sehe es nicht als Zufall an, dass Herr Dehning dabei den Reit-Club Halali besonders häufig erwähnte und ihn mir dadurch sicherlich nicht unbewußt ans Herz legte - und das nicht nur, weil der Halali an „seiner“ Unireitschule beheimatet war. Der Reit-Club Halali - so sehe ich das bis heute - bitte korrigieren Sie mich - war für ihn schon etwas besonderes. So zumindest kam es bei mir an.


Folgerichtig rief ich danach bei der nächsten Telefonnummer an, die ich auf meiner Liste hatte: einen gewissen Bernd Neuß sollte ich anrufen, stand da zu lesen.


Und hier wiederholte sich das ganze: wieder wurde aus dem geplanten kurzen informativen Anruf ein längeres Gespräch, das schließlich in einem persönlichen Besuch einer der donnerstäglichen Reitstunden des Halali an der Unireitschule mündete. Denn wieder hatte ich einen Gesprächspartner, der sich die Zeit und Muße nahm und mir mit wirklich herzlicher Freundlichkeit über das Reiterliche Leben in München berichtete.


Das war im Oktober 1998. Ich ritt meine erste Halali-Stunde mit, fand zwei Bürgen, stellte meinen Aufnahmeantrag, erschien mit diesem Antrag im Rundschreiben und zur Weihnachtsfeier 1998 wurde ich von Bernd feierlich in den Halali aufgenommen. Das ganze hatte sechs Wochen gedauert. Und seitdem habe ich eine Beziehung zum Reit-Club Halali - eine emotionale Beziehung, die - hoffentlich - noch lange andauern wird.


Im Sommer 2000 wurde ich von unserem damaligen Sportwart Biba Baier gefragt, ob ich nicht für die Springmannschaft des Halali beim Vier-Vereine-Turnier reiten möchte. Ich sagte begeistert zu, nicht unerheblich geschmeichelt durch diese Auszeichnung für meinen neuen Verein gleich offiziell reiten zu dürfen.


Aber - ich muß es gestehen - ein nicht unwesentlicher Reiz meines neuen Vereins für mich, lag schon im Vereinsnamen begründet: „Halali“. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich von Anfang an im roten Rock des Jagdreiters über die Felder reiten.


Ausritte in den Englischen Garten bot natürlich auch Siegfried Dehning an. Ich war von Anfang an begeistert dabei.


Dann aber trat ein Mann in mein - in unser aller - Leben, der hier die entscheidende Weichenstellung vornehmen und die Jagdreiterei an der Unireitschule und im Englischen Garten über Jahre bestimmen sollte: Yves Met.


Die Ausreitsaison dauerte von April bis Oktober. Aber schon im März begannen wir die Pferde nach der Winterpause wieder im Gelände zu bewegen. Aus einsichtigen und nachvollziehbaren Gründen gingen dazu erst einmal wir erfahreneren Reiter mit den Pferden ins Gelände. Denn alle Pferde freuten sich sichtlich, nach den langen Monaten in Stall und Halle wieder ins Gelände zu kommen - und das merkte man.


Ich möchte Yves zitieren: „Ein Pferd erwartet von uns Schutz, Respekt, Geborgenheit und artgerechte Haltung. Ein Reitpferd hat dazu noch das Recht, korrekt geritten zu werden! Nur so kann es bis ins hohe Alter körperlich und seelisch gesund bleiben.“


Wenn im Herbst die Reitjagden begannen, waren unsere Schulpferde - genau in diesem Sinne - topfit. Das mußten auch einige Reiter des Bayrischen Schlepp-Jagdvereins und der Bayrischen berittenen Polizei anerkennen, die mit uns das eine oder andere mit in den Englischen Garten ritten.


Yves - ich freue mich, dass Du heute hier bist. Ich danke Dir für diese Jahre, die wunderbaren Ausritte und Jagden und dafür, dass ich in meiner Zeit im Vorstand des Halali mit Dir und unter Deiner Ägide so viele unvergessliche Erlebnisse schaffen durfte.


Im März 2002 wurde ich dann Sportwart. Und im März 2003 wählte mich die Hauptversammlung schließlich zum 1. Präsidenten des Reit-Clubs Halali - des ältesten Reit-Clubs in München - und das mir - als „Preuße“. Da sage nochmal einer, in Bayern sei man nicht tolerant.


Eine Nebenbemerkung sei mir gestattet: Ich sage bewußt „ältester Reit-Club in München“. Denn alle anderen - zeitlich früher - gegründeten Reitvereine im heutigen Stadtgebiet von München wurden gegründet, als ihre Stadt noch gar nicht zu München gehörte. Die großen Eingemeindungen fanden erst ab 1931, zwei Jahre nach Gründung des Halali statt. Wir sind also der älteste Reit-Club - in München gegründet!


2004 feierte der Reit-Club Halali sein 75-jähriges Bestehen. Für mich als neuer Präsident wahrlich die erste richtig große Herausforderung. Das ganz in der Nähe der Unireitschule gelegene, auf Wild spezialisierte Lokal „Halali“ schien uns den angemessenen Rahmen zu bieten. Trotz der einen oder anderen Panne - so war es dem Lokal nicht gelungen das von uns gewählte Menü zu servieren und einige externe Gäste saßen auch noch im Saal - wurde es aber ein vergnüglicher und angemessener Abend. Auch damals standen Fred und ich vorne und hielten unsere Reden über die Geschichte des Halali.


In den folgenden Jahren ritten der Halali und seine Mitglieder unter Yves’ Ägide und mit Hilfe seines engagierten und anspruchsvollen Trainings mit großer Begeisterung bei allen Jagden der Unireitschule mit. Zeitweise organisierten wir darüber hinaus auch eigene Jagden.


Ganz folgerichtig hat der Reit-Club Halali bei der 80-Jahr-Feier der Universitätsreitschule im Jahr 2007 ein „Jagd-Schaubild“ beigetragen. Auf dem großen Reitplatz hinter der Halle wurden Geländehindernisse aufgebaut, die uns seit Jahren verbundenen Jagdhornbläser München trugen die Jagd-gerechten Hornsignale bei und unser Con-Jagdreiter Nicki Ehlers erläuterte mit der tragenden Stimme eines Rechtsanwaltes vor Gericht das bunte Treiben auf dem Platz für die zahlreichen interessierten Besucher der Jubiläumsfesttage an der Unireitschule.


Die Jahre vergingen wie im Flug. Der Jahreskalender der Universitätsreitschule bestimmte den Alltag: die Halali-Reitstunde jeden Donnerstag - ich selbst habe wohl nur bei Urlaubs- oder Krankheitsbedingter Abwesenheit gefehlt - die Hauptversammlung und dann die Ausritte von März bis Oktober, das Schulreiterturnier, das Vier-Vereine-Turnier, die Jagden im Herbst, die Weihnachtsfeiern im Dezember.


Nach neun Jahren im Amt war ich dann allerdings - ich gebe es zu - etwas amtsmüde. Vor allem das Verhältnis zur Leitung der Unireitschule - im Jahre 2001 hatte Dusan Tovarnak die Unireitschule übernommen - war im Laufe der Jahre nicht einfacher geworden. Und eine Besserung stand nicht in Sicht. Ich konnte leider nicht ahnen, dass unser Club-Mitglied und eine - ich darf das hoffentlich sagen - alte Freundin Isabelle von Medinger im Jahr 2013 die Leitung der Unireitschule übernehmen würde.


Wie dem auch sei, meine berufliche Entwicklung führte mich weg von München, ich verließ die Unternehmensberatung Roland Berger und bin seit 2017 wieder hauptamtlich Soldat. Ich habe z.Zt. eine spannende und herausfordernde Aufgabe als Pressesprecher beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam gefunden.


Die Pendelei zwischen München und Potsdam - am Wochenende hier und unter der Woche dort - ist nicht leicht. Dank der Unterstützung und der Liebe meiner Frau Kerstin aber erträglich. Zum Halali kommen ich aber nur noch selten - ein kleiner Abschied eben.


Zum Schluß muß ich noch ein Wort zu Pizarro sagen - dem Pferd, das ich in den letzten Jahren hier beständig geritten habe. Ich hoffe sehr, der alte Herr hat die gymnastizierenden Stunden mit mir im Sattel so sehr genossen wie ich das getan habe. Kurzzeitig sah es ja so aus, als wenn er nach Potsdam verkauft würde. Das wäre ein Wiedersehen geworden. Danke, Pizarro.


Ich bin gestern aus Potsdam angereist und dankbar dafür, daß unsere Präsidentin mir heute die Gelegenheit gegeben hat aus meiner Sicht zur Geschichte unseres Reit-Clubs Halali hier in diesem festlichen Rahmen vorzutragen.


Um zum Anfang meiner Rede zurückzukommen: ich bin nun seit über 20 Jahren Mitglied im Halali. Auch von daher war ein - persönlicher - Rückblick vielleicht angemessen. Und ich schaue mit Gelassenheit und Zufriedenheit zurück.


Ich wünsche dem Halali alles erdenklich Gute, und vor allem eine erfolgreiche Zukunft.

Vielen Dank.


[Text: Andreas Schmitz]


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